Protest gegen Massentierhaltung

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Gegen die Tierhaltungsbedingungen bei der Lidl-Billigfleischmarke „Landjunker“ protestieren am 22. Januar 2018 Greenpeace-Aktivisten am Lidl-Markt in Dortmund an der Huckarder Allee. Dazu verwandelten sie den Markt optisch in einen konventionellen Schweinestall. Großflächig auf die Fenster geklebte Fotos zeigen die Tiere in ihren engen Ställen, über Lautsprecher ist das aufgeregte Quieken vieler Schweine zu hören, es klingt, als würden die Kunden direkt in einem Mastbetrieb einkaufen gehen. Auf dem Dach fordern Aktivisten mit Bannern von Lidl das Tierleid zu beenden. Im Inneren werden Fleischprodukte mit Aufklebern gekennzeichnet.

Bei aktuell ca. 601.150 Einwohnern, lag der Schweinefleischkonsum im Jahr 2016 bei ca. 21.761 t. Um diesen Bedarf selbst decken zu können, müssten die Dortmunder 100 durchschnittlich große Mastställe in der Stadt akzeptieren - mit allen verbundenen Umweltfolgen und den damit einhergehenden tierquälerischen Zuständen in der Mast. „Für Discounter-Billigfleisch leiden Tiere millionenfach in deutschen Ställen“, sagt Joachim Hermes vom „Team 50+“ von Greenpeace Dortmund. „Zu viel Gülle verschmutzt unser Trinkwasser und der hohe Einsatz von Antibiotika sorgt für immer mehr multiresistente Keime in der Umwelt. Lidl muss umdenken  und  seinen  Kunden  Fleisch  von  Tieren  aus  besseren Haltungsbedingungen liefern."

In einem Rechtsgutachten hat Greenpeace die Zustände in der Schweinehaltung genau beleuchtet und kommt zu dem Schluss, dass die derzeit gesetzlich zulässigen Standards gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Sie wird den Bedürfnissen der Schweine nicht gerecht: Statt acht Stunden Wühlen auf der Suche nach Pilzen,
Wurzeln und Würmern bekommen die meisten Schweine zweimal täglich Futter vor die Nase gekippt – und vertilgen dieses in wenigen Minuten im Streit mit dicht stehenden Nachbarn. Daneben ist ihr Leben öde (vollständiges Rechtsgutachten unter http://gpurl.de/iNK6z). Das Bundesland Berlin folgt der Argumentation des Rechtsgutachtens  und  will  mit  einer  Normenkontrollklage  bessere Haltungsbedingungen erreichen.

Bessere Haltungsbedingungen suggeriert auch das Siegel der „Initiative Tierwohl“, das Supermärkte wie Lidl und Aldi auf ihre Fleischverpackungen drucken lassen. Doch die „Tierwohl“-Vorgaben genügen den Anforderungen des Tierschutzgesetzes ebenfalls nicht: Zu niedrig sind die Standards. Dazu kommt: Obwohl nur ein Bruchteil des Lidl-Schweinefleisches wirklich aus „Tierwohl“-Haltung stammt, wird das Logo auf alle Produkte gedruckt. Das Bundeskartellamt fordert daher Nachbesserungen. Die zahlreichen Label und Siegel geben oft wenig Aufschluss über die Tierhaltungsbedingungen.  Deshalb  schafft  Greenpeace  auch  online  mehr Transparenz über Standards und Defizite bei der Fleischkennzeichnung. Ein neu gestarteter Chatbot hilft unter www.greenpeace.de/chativist, einen Überblick zu gewinnen.  Zudem  können  sich  Verbraucher  unter www.greenpeace.de/Siegelratgeber informieren.